Mein Verständnis von Lernen

Das Lernverständnis ist der Ausgangspunkt jedes didaktischen Handelns. Klar definiert und konsequent umgesetzt bildet es den roten Faden durch alle Lehr-/Lern- oder Trainingskonzepte.

Lernen als aktives Aneignen von Fähigkeiten

Ich verstehe Lernen als (Weiter-)Entwickeln von Fähigkeiten, um – auch in komplexen Situationen – angemessen handeln zu können. Der Lernende eignet sich aktiv Fähigkeiten an.

  • Lernen setzt immer an den individuellen Voraussetzungen des Lernenden an: Fähigkeiten, Erfahrungen, Denkweisen, Erwartungen.
  • Lernen kann nur gelingen, wenn der Lernende seine Fähigkeiten erweitern möchte, d.h. aus irgendeiner Motivation heraus auf ein für ihn sinnvolles Ziel hinarbeitet.
  • Im Leben wie im Training: Lernen geschieht im Wesentlichen durch die reflektierte Auseinandersetzung mit sinnvollen, herausfordernden Aufgaben, die auf das Ziel hinführen.

Ein Trainer oder Lernbegleiter unterstützt dieses Lernen als Aneignen u.a. durch

  • Hilfe beim Klären und Weiterentwickeln der individuellen Ziele,
  • Bereitstellen von Informationen, Materialien und herausfordernden Aufgaben, die auf das Ziel hinführen,
  • Begleiten beim Bewältigen und Reflektieren der Aufgaben,
  • Schaffen eines organisatorischen und methodischen Rahmens, der optimale Bedingungen für das Lernen bietet.

Lernformen

Lernen findet ständig im (Arbeits-)Leben statt. Die meisten Menschen lernen informell viel mehr, als in ausgewiesenen Bildungsveranstaltungen – und würden es dabei gar nicht „Lernen“ nennen. Sie fragen ihren Arbeitskollegen zu einem konkreten Problem, eignen sich übers Internet die Grundlagen zu einem Hobby an, gehen in Vereine und erweitern dort ihre Fähigkeiten.

In den meisten Unternehmen wird Weiterbildung vor allem mit Präsenztraining, mit Coaching oder, unter dem Stichwort „Digitalisierung“, mit E-Learning verknüpft. Das informelle, beiläufige Lernen wird wenig genutzt. Ideal wäre eine organisatorische Verflechtung unterschiedlicher Lernformen, so dass jederzeit die Möglichkeit zur Verfügung steht, benötigte Fähigkeiten zu erwerben und zu sichern.

Präsenztraining ist meistens die Methode der Wahl, wenn es darum geht, in ein Thema einzusteigen, Grundlagen zu erwerben, die innere Struktur und Logik eines Themas zu verstehen.

Lernziele im Training

In einem Training berücksichtige ich (fast) immer drei Aspekte, unabhängig von den Inhalten.

Das Können, d.h. die Fähigkeit zum Anwenden der Inhalte in der Arbeits- bzw. Lebenspraxis:

  • Für die Methodik im Training bedeutet das einen Schwerpunkt in Übungen, Rollenspielen, dem aktiven Erarbeiten von Inhalten. Nur im Tun eigne ich mir praktische Fähigkeiten an.
  • Für die organisatorische Einbettung des Trainings bedeutet das, dass die Teilnehmer möglichst kurzfristig nach dem Training die Möglichkeit haben sollten, ihre erworbenen Fähigkeiten einzusetzen. Im Idealfall besteht ein Training aus mehreren, zeitlich getrennten Teilen, zwischen denen die Inhalte praktisch umgesetzt werden.

Das Wollen, die Fähigkeiten tatsächlich einzusetzen:

  • Für die Methodik im Training bedeutet das, dass das Lernen weder zu leicht (Übermut im Training führt zu Frust in der Praxis), noch zu schwer (Entmutigung noch vor der Praxis) sein darf. Die Teilnehmer sollten Erfolg erleben.
  • Für die organisatorische Einbettung des Trainings bedeutet das, dass bei der Auswahl der Ziele und Inhalte die Kultur des Unternehmens berücksichtigt werden muss, damit neue Verhaltensweisen wirken können und nicht stattdessen abgestraft werden.

Die Fähigkeit, das Gelernte und sich selbst weiterzuentwickeln:

  • Die Trainingsrealität bildet niemals 1:1 die „echte“ Realität in der Arbeits- und Lebenswelt ab. Die Praxis ist immer komplexer als eine Trainingssituation, und die Anforderungen der Praxis verändern sich laufend.
  • Für die Methodik im Training bedeutet das, dass neben dem Einüben von Verhaltensweisen das Verständnis für deren Hintergründe und das Fördern der Selbstreflexion stehen. Verständnis und Selbstreflexion sind die Basis für Weiterentwicklung.